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So machen Banken ihr ESG-Datenhaus fit für die Zukunft

ESG-Daten spielen für Banken eine immer wichtigere Rolle. Doch die Vielzahl an regulatorischen Neuerungen und die Dynamik des Themas ESG insgesamt erschweren die Etablierung neuer Standards. Für die Institute bedeutet das: Umbauarbeiten am Datenhaus ohne Bauplan – und zwar unter Hochdruck.

Ob für ESG-Risiken im Portfolio, die Abwägung von Geschäftsentscheidungen oder das eigene Reporting: Der Bedarf an ESG-Daten steigt bei Banken derzeit rasant. Ohne das „digitale Gold“ können die Geldhäuser kaum noch eine Vorgabe der Regulatoren erfüllen. Dabei befinden sich viele ESG-Anforderungen noch in der legislativen Pipeline. Die Banken müssen sich bis auf Weiteres also mit Änderungen des Regulierungsrahmens abfinden. Daneben verlangen auch weitere Stakeholder wie Investoren und NGOs nach ESG-Informationen, für die spezifische ESG-Daten die Grundlage bilden.

Treiber des Datenbedarfs

In den vergangenen Jahren lag der Fokus von Regulatoren und Aufsicht vor allem auf dem ESG-Risikomanagement. Mit der EU-Taxonomie und der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind umfassende Gesetzesinitiativen für das ESG-Reporting dazugekommen, die in den nächsten Jahren sukzessive umzusetzen sind. Besonders herausfordernd ist dabei die Breite der zu berichtenden Daten über das gesamte E-, S- und G-Spektrum hinweg. Darüber hinaus übt auch der Markt zunehmend Druck auf die Transformation der Banken aus – sei es über institutionelle Anleger, Ratingagenturen oder die breite Öffentlichkeit. Das Resultat: Bis 2025 müssen Banken eine Vielzahl an ESG-Daten beschaffen, verarbeiten und verwalten, die sie heute noch gar nicht kennen. Um hierfür bereit zu sein, gilt es, unter Hochdruck die richtigen Entscheidungen zu treffen und alle Kapazitäten auszuschöpfen. Eine Situation, die der eines Bauunternehmers ähnelt, der Umbauarbeiten an einem Haus vornehmen muss, ohne über die nötigen Baupläne zu verfügen – in diesem Fall die Vorschriften der Gesetzgeber.

Kurzfristig externe Hilfe nutzen

Doch die fehlende regulatorische Sicherheit ist nicht die einzige Hürde für die Banken. Erschwerend kommt hinzu, dass die Arbeit mit ESG-Daten ein noch sehr junges Geschäftsfeld für die Branche ist. Entsprechend gering ist die Erfahrung der Institute. Ein eigenhändiger Umbau des ESG-Datenhauses wird dadurch zunehmend erschwert. Kurzfristig empfiehlt sich deshalb der Zukauf externer ESG-Daten bei professionellen Anbietern. Langfristig sind die Banken dagegen besser beraten, ESG-Daten als integralen Bestandteil der Kundenbeziehung zu verstehen. Ob gegenüber Kreditnehmern oder Anlegern – ein aktives Vorgehen mit offener Kommunikation kann die Datenbeschaffung und den Datenaustausch erheblich verbessern sowie die Kundenbindung und Wettbewerbsposition stärken.

Dabei stehen die Institute vor einer nicht unwesentlichen Herausforderung: Die parallele Weiterentwicklung von taktischer und strategischer Datenbeschaffung und -verarbeitung. Um sie zu bewältigen, sollten die Institute wichtige Handlungsfelder frühzeitig identifizieren und angehen – fachlich, prozessual und technisch, mit Blick auf die Integration in die bestehende Architektur.

Zentrale ESG-Evidenzstelle

Ein Change-Prozess, der sich aufgrund seiner hohen Dynamik anfangs nur schwer planen und formalisieren lässt. Doch mit zunehmender Erfahrung der Banken sollte sich schnell eine aufsteigende Lernkurve und ein effizienterer Ablauf bei der Integration von ESG-Daten einstellen. Eine zentrale Evidenzstelle für ESG-Daten kann für den Erfolg eine wichtige Rolle spielen. Mit ihr lassen sich sowohl die ESG-Zusammenhänge orchestrieren als auch die Bewirtschaftung der ESG-Daten zentral steuern. Dabei werden alle Arbeitsschritte von der Datenanlandung und -harmonisierung über die Qualitätssicherung bis hin zur Analysefähigkeit organisationsübergreifend gesteuert. Ziel ist es, eine erweiterte und zusammenhängende Sicht auf das Kundenportfolio und die eigenen Projekte zu gewinnen und Abläufe transparent und messbar zu machen. Eine aufwändige Arbeit, da es eine vergleichbare Transformation bei den Geldinstituten so noch nie gegeben hat. Langfristig wird sie sich jedoch bezahlt machen, da mögliche Konstruktionsfehler im ESG-Datenhaus von vornherein vermieden werden.

Autor:in

  • Autor: Christoph Betz ist bei KPMG mitverantwortlich für den Bereich Financial Services Transformation und Experte für strategische, regulatorische und prozessuale Fragestellungen im Kapitalmarkt- und Wertpapiergeschäft von Banken. Darüber hinaus leitet er die ESG Practice im Bankenbereich von KPMG Deutschland sowie das KPMG Financial Services ESG Hub in der EMA-Region.