Nachhaltigkeit in der Kreditvergabe: Regulatorik wird anspruchsvoller

Der Informationsdienstleister CRIF bietet ab sofort neue Indikatoren zur Bewertung des ESG-Reifegrades und der Risiken von Naturgefahren für Unternehmen mit Sitz in der EU an. Damit schließt CRIF eine wichtige Informationslücke für europäische Banken und Finanzdienstleistungsinstitute.

Vor allem bei Kreditentscheidungen sind Finanzdienstleistungsinstitute verpflichtet, ESG-Daten ihrer Firmenkunden zu erheben, zum Beispiel aufgrund der in Kürze in Kraft tretenden 7. MaRisk Novelle. Allerdings fehlen strukturierte und standardisierte ESG-Daten für einen Großteil der Unternehmen, da kleine und mittlere sowie nicht-börsennotierte Unternehmen keine Nachhaltigkeitsberichte erstellen. Gleichzeitig steigt der Druck durch die zunehmende ESG-Regulierung für immer mehr Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen und ESG-Informationen offenzulegen. Eine Herausforderung für die zu bewertenden Unternehmen und vor allem für Banken und Finanzdienstleistungsinstitute.

Finanzdienstleistungsinstitute mit einem europäischen Firmenkundenportfolio haben zudem die Problematik, für alle Unternehmen den gleichen ESG-Kriterienkatalog anzuwenden, um die Kunden europaweit vergleichen und das Kreditportfolio effizient nach ESG-Kennzahlen steuern zu können. Aufgrund unterschiedlicher Bewertungsmethoden und einer geringen Datenqualität war das bisher kaum möglich.

ESG Basic Indicator bewertet Grad der Nachhaltigkeitsbemühungen

Der von CRIF entwickelte ESG Basic Indicator ermöglicht dank einer einheitlichen, für alle europäischen Unternehmen geltenden Bewertungsmethodik, eine Vergleichbarkeit von europäischen Kreditportfolien. Der ESG Basic Indicator bewertet den Grad der Nachhaltigkeitsbemühungen eines Unternehmens zu den wichtigsten Umwelt-, Sozial und Governance-Aspekten und folgt anerkannten ESG-Bewertungsstandards. Für Banken und Finanzdienstleistungsinstitute, die besonders häufig Risikomanagementprozesse durchführen, ist die Erhebung besonders einfach, denn sie müssen nur wenige Datenpunkte, wie Firmennamen, Umsatzsteuer- oder Handelsregister Nr. und Firmenadresse, angeben. Der ESG Basic Indicator deckt die 15 ESG-Kriterien ab, die die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) im Jahr 2021 definiert hat (zum Beispiel Energieeffizienz, Abfallmanagement, Biodiversität oder Menschenrechte). Zudem wird das Transitionsrisiko mit separaten Indikatoren berechnet und fließt in den ESG Basic Indicator ein. Hierbei bewertet CRIF auf Basis eines selbstentwickelten komplexen Modells die Auswirkungen auf die Kennzahlen Umsatz, Kosten und Investitionen für das bewertete Unternehmen, um sich bis zum Jahr 2050 zu einem kohlenstoffarmen Unternehmen zu transformieren (Transitionsrisiko). CRIF liefert zudem die geschätzten Scope 1, 2 und 3 Emissionen pro Unternehmen.

„Bei der Berechnung unseres EU-weit geltenden ESG Basic Indicators greifen wir auf tatsächliche Wirtschaftskennzahlen der Unternehmen aus unseren europäischen Firmendatenbanken zurück. Damit erreicht der ESG Basis Indicator eine hohe Trennschärfe und Aussagekraft und ermöglicht eine effiziente Erst- oder Basisbewertung von Kreditportfolien ohne zusätzliche Kundenbefragung“ sagt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland. „Darüber hinaus können die bewerteten Unternehmen den statistisch ermittelten ESG Basic Indicator konkretisieren, indem sie mithilfe unseres CRIF Synesgy Fragebogens weitere ESG relevante Informationen einliefern. Mit unseren ESG-Daten und -Indikatoren helfen wir Banken und Finanzdienstleistungsinstituten, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen und ESG-Kriterien bei Kreditentscheidungen zu berücksichtigen.“

Physical Risk Indicator bewertet Gefahrenpotenzial von 18 Naturgefahren

Banken und Finanzdienstleistungsinstitute müssen bei ihren Kreditentscheidungen künftig auch die Risiken aus Naturgefahren bewerten, denen Unternehmen durch den Klimawandel ausgesetzt sind (zum Beispiel Extremwetterereignisse wie Überflutungen oder Tornados). Risiken aus Naturgefahren können für Banken und Finanzinstitute zu unerwarteten Verlusten führen. Daher drängen EBA und die BaFin darauf, Daten zu physischen Risiken in Kreditprozesse zu integrieren und zu analysieren – beispielsweise bei Kreditentscheidungen oder der Bewertung von Immobilien (Kreditsicherheit).

Diese Risiken bewertet CRIF mit dem Phyiscal Risk Indicator. Dieser berücksichtigt die Eintrittswahrscheinlichkeit anhand von Gefahrenkarten und Katastrophenmodellierungen für 18 Naturgefahren am jeweiligen Standort sowie die branchen- oder gebäudespezifische Vulnerabilität, das heißt die mögliche Schadenshöhe pro Naturgefahr. Der CRIF Phyiscal Risk Indicator bewertet insgesamt 18 Naturgefahren, die in akute und chronische Gefahren unterschieden werden. Zu akuten Gefahren gehören Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Waldbrände, extreme Winde, Überschwemmungen und Erdbeben. Chronischen Gefahren resultieren dagegen aus Veränderungen, die indirekte Schäden verursachen, zum Beispiel Temperaturveränderungen oder Anstieg des Meeresspiegels. Banken und Finanzdienstleistungsinstitute erhalten mit dem Physical Risk Indicator eine feingliedrige Berechnung von physischen Risiken anhand eines aufsichtskonformen Bewertungsverfahrens, da CRIF alle von der EBA definierten Naturgefahrenarten einzeln und wissenschaftlich fundiert bewertet.

Die von CRIF verwendete Methodik zur Berechnung physischer Risiken für Unternehmen wurde vom BIS Innovation Hub und der Banca d‘Italia beim G20 TechSprint 2021 in der Kategorie „Analyse und Bewertung von Übergangs- und physischen Klimarisiken“ ausgezeichnet.