Aufrüstung – Folgen für Nachhaltigkeit

Marcus Weyerer, Senior ETF Investment Strategist bei Franklin Templeton Investments, kommentiert die Bedeutung des jüngsten politischen Kurswechsels hinsichtlich einer Aufrüstung in Deutschland.

Marcus Weyerer, Senior ETF Investment Strategist bei Franklin Templeton Investments.

„Angesichts der Tatsache, dass sich die westlichen Länder auf einen langfristigen Weg anhaltend höherer Verteidigungsausgaben begeben, kann man sich kaum ein Szenario vorstellen, in dem die Waffenhersteller nicht davon profitieren würden. Dies kann zu einem strukturellen Gegenwind für nachhaltige Anlagestrategien führen.

Gleichzeitig wird jedoch die unbestrittene Notwendigkeit, die Abhängigkeit Europas von Putins Öl und Gas zu verringern, solche Strategien wahrscheinlich unterstützen. Kurzfristig sind erneuerbare Energien keine Alternative zu Russlands Öl. Andere Regionen, wie der Nahe Osten oder Lateinamerika, müssen möglicherweise den sanktionsbedingten Engpass bei fossilen Brennstoffen ausgleichen.

Längerfristig könnten nachhaltige Investitionen jedoch gerade durch den Ausschluss Russlands aus der Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schub erfahren. Bei einem Preis von 100 Dollar oder mehr pro Barrel besteht ein echtes Risiko eines Nachfrageeinbruchs, und die politischen Entscheidungsträger werden darauf bedacht sein, die Auswirkungen zu steuern. Dies kommt noch zu dem bereits bestehenden massiven Druck in Richtung CO2-Neutralität bis 2050 hinzu. Da Europa eine geringere Abhängigkeit von Russland bei der Energieversorgung anstrebt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Alternativen wie Solar-, Wind- und Kernenergie schneller wachsen werden. Da der Rüstungssektor nur wenige Prozentpunkte unserer Volkswirtschaften ausmacht, während praktisch alle Sektoren „grüner“ werden müssen, wird deutlich, dass nachhaltige Investitionen so wichtig sind wie eh und je. Die an den Pariser Abkommen ausgerichteten Strategien machen sich diesen Antrieb in der gesamten Wirtschaft zunutze – nicht nur in einigen wenigen besonders „grünen“ Sektoren.“