Green Asset Ratio (GAR) EU-Taxonomie

Trotz Kritik: Chancen von GAR und BTAR für Banken

Die Green Asset Ratio (GAR) kommt. Aber was leistet sie? Nicht viel, behaupten Kritiker: Die GAR sei nur begrenzt aussagekräftig und beinhalte Methodikfehler. Dabei lassen viele außer Acht, dass es mit der verbindlichen Einführung von Kennziffern wie GAR und im kommenden Jahr BTAR erste Ansätze auf Basis der EU-Taxonomie gibt, um die Nachhaltigkeitsbestrebungen von Banken vergleichen zu können.

Nachhaltigkeit von Unternehmen und Banken transparent und durch einheitliche Standards vergleichbar machen – das ist eines der zentralen Ziele der EU-Taxonomie. Doch die Nachhaltigkeitsberichterstattung stellt die Finanzbranche zusehends vor Herausforderungen. So müssen Kreditinstitute beispielsweise zum Bilanzstichtag des laufenden Geschäftsjahres am 31. Dezember 2023 den neuen Key Performance Indicator Green Asset Ratio (GAR) erstmals melden. Diese zentrale Kennziffer gibt an, welcher Teil der Bilanz ökologisch-nachhaltige Kriterien gemäß der EU-Taxonomie erfüllt, das heißt in welchem Umfang taxonomiekonforme Vermögenswerte vorliegen. Daraus lässt sich ein erstes Nachhaltigkeitsprofil für die Vermögenswerte einer Bank ableiten.

Die Nachhaltigkeitskriterien

Die grundlegende Methodik sieht vor, dass Wirtschaftstätigkeiten – sowie die mit diesen Wirtschaftstätigkeiten verbundenen Vermögenswerte einer Bank (beispielsweise Finanzierungen) – dann nachhaltig sind, wenn sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Es erfolgt ein substanzieller Beitrag zu einem der sechs Umweltziele der EU-Taxonomie-Verordnung.
  • Es liegt keine erhebliche Beeinträchtigung eines oder mehrerer der anderen Umweltziele vor.
  • Die Wirtschaftstätigkeit erfolgt unter Einhaltung des sozialen Mindestschutzes.

Banken sehen Regulierung kritisch

Die Berechnung der GAR stellt Institute dabei vor fachliche, prozessuale und technische Herausforderungen. Erste Bewertungen zeigen, dass die EU-weite GAR deutlich unter zehn Prozent liegen könnte. Zentrale Faktoren für eine systemisch niedrige GAR bei vielen Instituten sind die zugrundeliegende Methodik und deren verzerrende Effekte je nach Geschäftsmodell und Kundengruppen des Instituts.

Hinzu kommt die geringe Datenverfügbarkeit. Die Beschaffung von Realdaten sowie die Detailprüfung der vom Kunden erhaltenen Informationen sind sehr zeitaufwendig.

Je nach Art des Bank-Portfolios kann die Datenbeschaffung in direkter Interaktion mit dem Kunden oder über den Auszug der Informationen aus der nichtfinanziellen Berichterstattung der Kunden überwiegen. Beide Fälle bedingen, dass Banken effiziente Wege finden müssen, um die Einholung aller relevanten Informationen in die etablierten Prozesse zu integrieren. Hierbei ist insbesondere ein ganzheitlicher Blick auf die neuen Anforderungen im Kontext von Nachhaltigkeit zu werfen. Denn nur dieser vermeidet Mehrfachbelastungen und ermöglicht Synergien.

Bei der Erwartung an eine hohe GAR darf zudem nicht vergessen werden, dass ihre Höhe stark von den zugrundeliegenden realwirtschaftlichen Wirtschaftstätigkeiten der Bank-Kunden abhängt. In der Realwirtschaft erfüllen bislang erst etwa sieben Prozent die Kriterien der EU-Taxonomie, im DAX sind es sogar lediglich drei Prozent der Unternehmen.

Nachhaltigkeitskennzahlen GAR und BTAR sinnvoll nutzen

Bislang stellt die GAR eine Nachhaltigkeitskennzahl unter vielen dar. Sie ist sehr stark vom Geschäftsmodell der Institute abhängig. Dennoch revolutioniert sie die Berichterstattung zu Nachhaltigkeitsaspekten, indem sie erstmals einen quantitativen, mit marktübergreifend vergleichbarer Methodik abgeleiteten Blick auf die Nachhaltigkeit der Vermögenswerte von Kreditinstituten ermöglicht.

Mit der Einführung der sogenannten Banking Book Taxonomy Alignment Ratio (BTAR) Ende 2024 kommt eine weitere Kennzahl. Ihre Werte beruhen auf einer signifikant größeren Datenmenge als die zugrundeliegenden Werte der GAR. Damit kann die BTAR das Portfolio einer Bank potenziell besser abbilden. Auch wenn die Vorbereitung auf die Einführung der Kennzahlen zur Einhaltung der EU-Taxonomie für Banken sehr zeitintensiv und aufwändig ist: Durch die hohe Aufmerksamkeit von Kunden, Öffentlichkeit und Investoren werden GAR und BTAR dazu beitragen, das Augenmerk der Banken noch stärker auf nachhaltige Investitionen zu richten und ihnen dabei helfen, letztendlich auch Kunden auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft zu unterstützen.

Autoren

  • Christoph Betz

    Autor: Christoph Betz ist bei KPMG mitverantwortlich für den Bereich Financial Services Transformation und Experte für strategische, regulatorische und prozessuale Fragestellungen im Kapitalmarkt- und Wertpapiergeschäft von Banken. Darüber hinaus leitet er die ESG Practice im Bankenbereich von KPMG Deutschland sowie das KPMG Financial Services ESG Hub in der EMA-Region.

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  • Lisa Ertl

    Lisa Ertl verantwortet als Senior Managerin bei KPMG die Beratung der Financial-Services-Kunden zu regulatorischen und prozessualen Fragestellungen, insbesondere im Kontext Sustainable Finance zu den Themen CSRD und EU-Taxonomie.

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