Brite: “Die 2nd Generation der Fintechs setzt auf Nachhaltigkeit”

Die Fintech-Branche steht am Scheideweg. Wo früher Investoren das Tempo vorgaben und viele Unternehmen versucht haben, unbedingt Schritt zu halten, etablieren sich jetzt die Fintechs, die eine langfristige Vision verfolgen – besonders die der zweiten Generation.

Oftmals gegründet und geführt von Menschen, die sich die Sporen bei den altbekannten Größen der Szene verdient haben, nun aus diesen Zeiten lernen und mit B2B-Modellen sicherer und stabilere Konstrukte schaffen, die auf nachhaltiges Wachstum ausgelegt sind. Lena Hackelöer war selbst viele Jahre bei Klarna und hat mit Brite Payments ein solches 2nd Generation-Fintech gegründet. Sie weiß, welche Visionen die neue Welle verfolgt und welche Lektionen sie von der alten Garde gelernt haben.

Beschreiben Sie bitte Ihr Geschäftsmodell.

Lena Hackelöer: Brite Payments ermöglicht Online-Zahlungen und Auszahlungen in Echtzeit. Aktuell gibt es unsere Lösungen in 24 Märkten in Europa. Wir nutzen die Open Banking-Technologie und reagieren auf einen Paradigmenwechsel: Über Jahre war die Kartenzahlung auch bei Online-Zahlungen weit verbreitet beziehungsweise Voraussetzung für den Einsatz von vielen Zahlungsarten. Doch sie entstammt einer Zeit vor dem Internet und ist eigentlich gar nicht auf den Online-Einsatz ausgelegt. Open Banking-Technologien werden an der Dominanz ruckeln, weil durch sie ein neuer Weg für eine neue Generation von Zahlungslösungen geebnet wird. Denn dann sind Drittanbieter wie Brite Payments für Aus- und Einzahlungen verantwortlich – und das schnell und sicher.

In Deutschland konzentrieren wir uns bisher vor allem auf die Auszahlungen. Hier gibt es vor allem in vielen vertikalen Bereichen und Sektoren erhebliche Möglichkeiten für uns.

Wir fokussieren uns dabei besonders auf Online-Händler, Versicherungen, Trading-Plattformen, Freelancer- und Gigworker-Plattformen, Ticketing-Websites und Kreditanbieter. Also überall da, wo online Geld von Unternehmen an Verbraucher ausgezahlt wird, kommt Brite Payments ins Spiel. Und es wird immer mehr Geschäftsmodelle geben, die das brauchen.

Was ist Ihr USP?

Lena Hackelöer: Account-to-Account-Zahlungen oder A2A-Zahlungen gibt es natürlich schon seit einiger Zeit. Doch diese sind durch die Open Banking-Technologien, die wir einsetzen, deutlich leichter und schneller geworden. Und gleichzeitig deutlich sicherer.

Wir legen außerdem viel Wert darauf, eine attraktive B2C-Marke zu sein – und auch das Endkundenerlebnis ist uns sehr wichtig und bei uns ein elementarer Fokus.

Ein weiterer wichtiger Punkt, mit dem wir Händler unterstützen: Mit unserer Zahlungsdienstleistung senken wir die mit der Zahlungsabwicklung verbundenen Betriebskosten. In aktuellen Zeiten sind viele Unternehmen mit großen Herausforderungen konfrontiert – von der Pandemie, über Lieferkettenprobleme hin zur Inflation. Viele externe Faktoren sorgen für höhere Kosten in verschiedenen Bereichen. Unsere Lösung verringert Betrug, Kosten für Rückbuchungen und es gibt weniger Anfragen beim Kundendienst, weil Zahlungen sofort und mit großer Transparenz abgewickelt werden.

Mit wem und in welcher Liga spielen Sie?

Lena Hackelöer: Wir bieten eine Kombination aus attraktiver B2C-Marke und dem modernen Umgang mit Open Banking-Technologien. Die Mehrheit der Anbieter, die mit Open Banking arbeiten, sind reine B2B-Marken oder Whitelabel-Lösungen. Das Feld um A2A-Zahlungen ist insgesamt noch sehr klein im Vergleich zu etablierten Zahlungsmethoden. Doch sehen immer mehr Händler die Vorteile. Langfristig glauben wir, dass A2A-Zahlungen sich fest etablieren werden und unter Umständen sogar die Kartenzahlungen überholen können. Wenn wir uns etwa das BNPL-Modell ansehen, sehen wir, dass es erst nach ein paar Jahren explodiert ist, mittlerweile aber zum festen Bestandteil eines Checkouts gehört. Das Potenzial sehen wir auch bei uns.

Ich bin der Überzeugung, dass A2A-Zahlungen die Zukunft des Online-Payments sind. Unsere Ambition bei Brite Payments ist es, global betrachtet in der oberen Liga mitzuspielen.

Was bringt Ihnen die Klarna Erfahrung?

Lena Hackelöer: Ich war dort Teil einer der ersten und einer der größten Erfolgsgeschichten im europäischen Fintech-Markt. Somit konnte ich nicht nur persönlich wachsen, sondern viel darüber lernen, wie man ein Unternehmen erfolgreich aufbaut. Und natürlich konnte ich viel über den europäischen Payment- und Fintech-Markt lernen – auch, weil er parallel gewachsen ist.

Was können Banken von Ihnen erwarten?

Lena Hackelöer: Mit Open Banking-APIs können wir uns bereits jetzt problemlos in fast jedes Bank-System integrieren; in Deutschland haben wir auch bereits sehr gute Beziehungen zu diversen Banken. Was wir daher wissen: Damit Open Banking-basierte Zahlungen funktionieren, müssen Banken stabile und robuste APIs im Betrieb haben. Doch sind hier nicht alle Banken gleichermaßen aufgestellt. Es gibt immer noch zu viele Ausfälle und Inkonsistenzen.

Die Branche kann daher davon ausgehen, dass wir mit Brite Payments weiterhin auf eine stärkere Standardisierung der APIs drängen werden (Diese sollte im Übrigen spätestens mit der PSD3 kommen). Brite Payments wird dazu auf eine enge Kooperation mit den Banken setzen, um die Technologien gemeinsam weiterzuentwickeln.

Viele Banken sehen A2A-Zahlungen als ein notwendiges Übel, dabei sind sie auch eine Chance, sich zum Beispiel bei den jüngeren Verbraucher sichtbar zu machen und verstärkt zu positionieren. Unsere Rolle bei Brite Payments ist es auch, einen Dialog mit den Banken zu führen und gemeinsam herauszuarbeiten, wie alle Seiten davon profitieren können.

Brite setzte auf nachhaltiges Wachstum. Hat das auch Bedeutung in Richtung sustainable finance?

Lena Hackelöer: Wir setzen auf beständiges Wachstum, da der komplexe Markt in den vergangenen Jahren gezeigt hat, dass die Jagd nach möglichst schnellem Wachstum auch genauso schnell wieder enden kann. Als sogenanntes 2nd Generation Fintech besteht unser Unternehmen aus erfahrenen Leuten, die mit den Herausforderungen des Payments und dem üblichen Wachstum eines Unternehmens vertraut sind. Wir haben eine klare Vision von dem, was “nachhaltiges Wachstum” bedeutet: Wir treffen sehr bewusste Entscheidungen über unser Wachstum und unsere Expansionen. Finanzierungsrunden führen oft zu unangemessenen Erwartungen, die Unternehmen anschließend um jeden Preis erfüllen wollen. Entweder indem sie ein unnötiges Risiko eingehen oder indem sie Marktanteile einkaufen und Wachstumserwartungen gerecht werden.

Wir wollen langfristig wachsen – langfristig und dadurch nachhaltiger. Unternehmen, die einfach so und recht schnell wieder verschwinden, hinterlassen natürlich ökologische Spuren.

Was sind Ihre Pläne für dieses Jahr, für die kommenden?

Lena Hackelöer: Wir wollen wachsen – auf verschiedenen Ebenen. Wir werden unser Leadership-Team ausbauen und werden in der ersten Hälfte diesen Jahres einige erfahrene Branchenexperten willkommen heißen und uns damit noch mehr Know-How an Bord holen. Auf operativer Ebene ist einer unserer wichtigsten Märkte der DACH-Raum, den wir bisher erfolgreich aufgebaut haben und nun weiter ausbauen wollen.

Aktuell planen wir aktuell unsere Expansion in die BeNeLux-Staaten und wollen hier auch ein Team aufbauen, um den Service vor Ort zu garantieren. So werden wir bald einen Head Of BeNeLux vorstellen. Darauf werden weitere relevante Märkte in Europa folgen.

Autor

  • Dunja Koelwel

    Dunja Koelwel arbeitet seit 1998 als Journalistin im Bereich ITK mit besonderem Fokus auf Payment & Banking. Nach ihrem Jurastudium startete sie beim e-commerce Magazin, das sie über 13 Jahre begleitete und leitete, danach war Head of Content bei Ebner Media Events und zuständig für die Inhalte der Konferenzen. Seit 2020 ist sie Chefredakteurin von gi Geldinstitute. gi Geldinstitute ist die Fachzeitschrift für Banken und Finanzdienstleister alle Art – von etabliert bis FinTech, die in print, online und diversen sozialen Medien zu IT-Trends und Lösungen, Strategien und Neuentwicklungen informiert.

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