Kein ESG: Nur 15 Prozent erstellen einen Nachhaltigkeitsbericht

Lediglich 15 Prozent der deutschen Unternehmen produzieren gegenwärtig einen Nachhaltigkeitsreport. Aber drei Viertel geben an, in den nächsten 12 Monaten einen solchen Bericht erstellen zu wollen. Außerdem halten 23 Prozent der deutschen Führungskräfte auf C-Level ihre Daten für völlig ungeschützt und fast die Hälfte fürchtet im kommenden Jahr eine Datenpanne. Diese Ergebnisse liefert das C-Suite-Barometer der internationalen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Mazars, für das im vierten Quartal 2022 über 800 Führungskräfte auf C-Level aus 27 Ländern weltweit befragt wurden.

Demnach stellen nur 52 Prozent der deutschen Unternehmen eine positive Wachstumsprognose für 2023. Weltweit sind es 86 Prozent. Wirtschaftliche Unsicherheit, Energiepreise, geopolitische Instabilität und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte werden weltweit als Hauptfaktoren genannt, die das Wachstum im kommenden Jahr behindern.

Mark Kennedy, Partner und Mitglied des Group Executive Board bei Mazars, sagt: „Um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten, sowohl für ihr Unternehmen als auch für die Gesellschaft im Allgemeinen, investieren die obersten Führungsebenen zunehmend in Technologie und Nachhaltigkeit. Da Ungewissheit für die absehbare Zukunft die Norm ist, müssen sie heute mutig sein, um morgen nachhaltigen Erfolg zu haben.“

Datenqualität und Datensicherheit mit Optimierungsbedarf

Die obersten Führungsetagen in Deutschland stehen vor allem im Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung unter Zugzwang. Allerdings sehen sich momentan nur 22 Prozent dazu in der Lage, die entsprechenden Anforderungen umfassend erfüllen zu können. Weltweit sind es immerhin 36 Prozent. Die Datenqualität stellt dabei die größte Herausforderung dar. Und nur 36 Prozent der deutschen Unternehmensleiter geben an, dass ihre Daten vollkommen sicher sind – im Gegensatz zu 66 Prozent weltweit.

Dr. Christoph Regierer, Sprecher des Management Boards von Mazars in Deutschland, sieht die deutschen Unternehmen trotzdem auf einem guten Weg: „Mit Investitionen in Nachhaltigkeit und Technologie sichern Unternehmen nicht nur ihre wirtschaftliche Zukunft, sondern übernehmen zugleich Verantwortung für ihre Märkte und die Gesellschaft. Doch Zuversicht und Investitionen allein reichen nicht aus. Um Transformationsprozesse erfolgreich zu gestalten, müssen Unternehmen Kompetenzen aufbauen und auch von ihren Partnern einfordern, um beispielsweise den steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie Datenqualität und -sicherheit gerecht werden zu können.“

Problemfelder Geopolitik, Energie und Fachkräfte

Weltweit sind Führungskräfte auf C-Level am zuversichtlichsten, was ihre Fähigkeit angeht, mit neuen Technologien umzugehen (54 % sehr zuversichtlich). Am wenigsten zuversichtlich sind sie im Umgang mit geopolitischer Instabilität (23 % sehr zuversichtlich), Energiepreisen und Energieknappheit (27 %), Fachkräftemangel (32 %) und wirtschaftlichen Trends (33 %) – diese werden auch als die wichtigsten Wachstumshemmnisse angesehen. Der Mazars Confidence Index (durchschnittlicher Prozentsatz von „sehr zuversichtlich“ über alle Trends hinweg) liegt bei 37 Prozent, was einen leichten Rückgang gegenüber dem letzten Barometer (44 %), aber einen Anstieg gegenüber unserer Studie von 2020 (32 %) bedeutet.

Strategischer Fokus auf Technologie

Die Umgestaltung der Unternehmens-IT genießt für die obersten Führungsetagen in den kommenden drei bis fünf Jahren die höchste strategische Priorität. Es wird erwartet, dass das Aufkommen neuer Technologien große Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird. Die Führungskräfte auf C-Level erkennen zudem die Bedeutung von künstlicher Intelligenz, Automatisierung, Big Data und Web 3.0.

Eine neue oder überarbeitete Nachhaltigkeitsstrategie steht auf der Liste der strategischen Prioritäten für die kommenden drei bis fünf Jahre an zweiter Stelle. Mehr als zwei Drittel (68 %) planen, die Investitionen in Nachhaltigkeitsinitiativen im kommenden Jahr zu erhöhen, was die Bedeutung von ESG (environmental, social, governance) auf der Agenda der Unternehmen verdeutlicht.

Bedeutung von Vielfalt und Talenten

Ein Viertel der Führungskräfte auf C-Level gibt an, dass eine neue oder überarbeitete Strategie zur Gewinnung und Bindung von Talenten eine strategische Priorität darstellt, wobei fast ein Drittel (28 %) das Unvermögen, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen, als Hindernis für das Wachstum ihres Unternehmens bezeichnet. Obwohl viele Unternehmen die Bedeutung einer vielfältigen Belegschaft anerkennen, ist echte Gleichberechtigung nach wie vor schwer greifbar. Die Fortschritte bei der Geschlechtervielfalt unter den Top-Entscheidungsträger sind gering. Mark Kennedy fasst zusammen: „Die Unternehmen werden in diesem Jahr mit weiteren Unwägbarkeiten konfrontiert sein. Sie müssen agil sein, möglicherweise neue Prioritäten setzen und sich neu fokussieren. Aber die Unternehmen haben seit der Finanzkrise 2008 große Widerstandsfähigkeit entwickelt, die ihnen heute zu Gute kommt.“

Über die Studie: Das Mazars C-Suite-Barometer wurde von GQR Research in Zusammenarbeit mit Mazars konzipiert und durchgeführt. Die Erhebung der Daten erfolgte zwischen dem 9. November 2022 und dem 14. Dezember 2022 mittels einer Online-Umfrage. Die Gesamtstichprobe beträgt N=832.