Fast zwei Billionen CHF: Impact Investing boomt in der Schweiz

Nahezu zwei Billionen Schweizer Franken beträgt das Marktvolumen für nachhaltige Anlagen in der Schweiz, wie die jüngste Marktstudie von Swiss Sustainable Finance (SSF) zeigt. Mit einem Wachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf neu CHF 1,982,7 Milliarden setzt sich die Expansion nachhaltiger Anlagen somit weiter fort.

Bei den präferierten Anlageansätzen stehen Ausschlusskriterien mit einem stolzen Zuwachs von 48 Prozent gegenüber der zweitplatzierten ESG-Integration (+24 Prozent) nun am höchsten in der Gunst der Anleger. Dies dürfte in erster Linie auf die anhaltende Klimadebatte zurückzuführen sein, in deren Verlauf sich Kohleausschlüsse im Vergleich zum Vorjahr in etwa verdoppelt haben. Die Studie zeigt, dass rund ein Drittel der Volumina implizit auf eine positive Wirkung zielt, während die restlichen Anlagen primär der Ausrichtung auf Werte oder der Verbesserung der finanziellen Performance dienen.

Sie gilt als verlässlicher Gradmesser der Schweizer Finanzindustrie für die Akzeptanz und die Verbreitung nachhaltiger Anlagen – die “Schweizer Marktstudie Nachhaltige Anlagen 2022” von Swiss Sustainable Finance (SSF). Und sie zeigt einmal mehr eine erstaunliche Entwicklung. Nach einem bereits beachtlichen Wachstum von 31 Prozent im Jahr 2020 setzt sich die Erfolgsgeschichte nachhaltiger Anlagen in der Schweiz fort – diese erreichen mit einem Marktvolumen von CHF 1’982,7 Milliarden (+ 30 Prozent) für das Berichtsjahr 2021 wiederum ein Allzeithoch. Insgesamt ist dieses Wachstum auf zwei Hauptfaktoren zurückzuführen: Zum einen auf den vermehrten Einsatz nachhaltiger Anlageansätze und zum anderen auf die positive Marktentwicklung im Jahr 2021. Das Volumen nachhaltiger Fonds beläuft sich neu auf CHF 799,5 Milliarden oder 53 Prozent des gesamten Schweizer Fondsmarktes und umfasst damit, wie bereits im Vorjahr, mehr als die Hälfte des Gesamtmarktes. Patrick Odier, Präsident von SSF zur Entwicklung: «Dass immer mehr Vermögensverwalter Nachhaltigkeitsaspekte einbeziehen ist erfreulich und zeigt auf, wie essentiell diese für den Anlageprozess sind. Wichtig ist nun, dass in Bezug auf Klima, Biodiversität und soziale Themen noch besser dargestellt wird, welche konkrete Wirkung mit den verschiedenen Anlageansätzen erzielt werden kann».

Nachhaltige Themenanlagen mit dem stärksten Wachstum

“Mit einem Plus von 157 Prozent sind nachhaltige Themenanlagen unter allen Anlageansätzen am stärksten gewachsen und kamen 2021 bei fast zehn Prozent aller nachhaltigen Anlagen in der Schweiz zum Einsatz”, erklärt Sabine Döbeli, CEO von SSF. Für dieses Wachstum sind in erster Linie die grossen Anbieter von Themeninvestments, die einen starken Anstieg bei bestehenden Produkten verzeichneten, verantwortlich. Ähnlich wie Impact-Strategien werden auch nachhaltige Themenansätze vor allem von Vermögensverwaltern, aber kaum von Asset Ownern angewendet. Die wichtigsten nachhaltigen Themen im Jahr 2021 betrafen den Energiebereich, gefolgt von sozialen Anliegen (Förderung des Gemeinwesens, Gesundheit) und Umweltthemen (z.B. Wasser, Cleantech). Neben Produkten, die sich auf ein bestimmtes Thema konzentrieren, verwalteten die Asset Manager auch zahlreiche Multi-Themen-Fonds und -Mandate, die auf einen Mix von sozialen und Umweltthemen setzen.

Unterschiedliche Strategien zur Wirkungsmessung

SSF befragte in diesem Jahr die Asset Manager, wie sie die Wirkung, also den Impact, ihrer nachhaltigen Anlagen messen. Ein Viertel der Befragten misst den konkreten Beitrag anhand der definierten Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDG). Rund die Hälfte verwendet eine Kombination der zur Auswahl gestellten Methoden (qualitative Bewertung, Messung anhand des SDG-Beitrags, physische/soziale Indikatoren und erfolgreiche Engagement-Aktivitäten).

Prof. Timo Busch, Co-Autor der Studie und Senior Collaborator am Centre for Sustainable Finance & Private Wealth (CSP) dazu: “Die Wirkungsmessung ist insbesondere für Anlagen am Sekundärmarkt nicht trivial. Trotzdem ist es wichtig, dass Vermögensverwalter und Asset Owner diesem Thema verstärkte Beachtung schenken, ist doch das erzielen einer positiven Wirkung ein wichtiges Ziel von vielen Anlegern”. Eine Analyse der impliziten Beweggründe für nachhaltige Anlagen, die in diesem Jahr zum ersten Mal durchgeführt wurde, zeigte für rund einen Drittel der Volumen ein positives Wirkungsziel, während rund ein Viertel der Volumen primär eine Ausrichtung auf Werte beabsichtigt und rund 40 Prozent primär finanzielle Ziele verfolgt.

Die Studie wurde unterstützt von den sechs Hauptsponsoren Amundi Asset Management, AXA, LGT Private Banking, Raiffeisen, Robeco Switzerland Ltd und Zürcher Kantonalbank, sowie von den sechs Nebensponsoren Aviva Investors, ODDO BHF Asset Management, Pine Bridge Investments, RepRisk, Thurgauer Kantonalbank und Zurich Invest. SSF dankt an dieser Stelle allen Sponsoren für die wertvolle Unterstützung.

Zur Studie

Autor