ESG-Scores brauchen individuelle Unternehmensdaten

Finanzinstitute stehen vor der Herausforderung, ESG-relevante Risiken bei Kreditentscheidungen berücksichtigen zu müssen. Und dies trotz mangelnder Erfahrungswerte, einer verlässlichen Datengrundlage oder etablierter Risikomodelle. Oft greifen Sie daher auf Branchendurchschnittswerte zurück. Dieser Artikel beleuchtet die Schwächen dieses Ansatzes und zeigt effiziente Alternativen für Banken und Unternehmen auf.

Die ESG-Datenrevolution: Eine Antwort auf die Herausforderungen der Kreditvergabe

Die Zeiten, in denen Finanzinstitute allein auf finanzielle Kennzahlen setzten, um Kreditentscheidungen zu treffen und Risiken zu bewerten, gehören der Vergangenheit an. In einer Welt, in der Umwelt, Soziales und Governance (ESG) eine immer wichtigere Rolle spielen, sind Finanzinstitute zunehmend dazu verpflichtet, auch nicht-finanzielle Daten in ihren Kreditvergabeprozessen zu berücksichtigen.

Doch der Mangel an verlässlichen Daten und die Verwendung von Branchendurchschnitten können zu fehlerhaften Bewertungen führen und sowohl Kunden als auch Banken schaden. In diesem Artikel erkunden wir die Probleme der aktuellen Praxis und bieten eine Lösung, die nicht nur die Compliance sicherstellt, sondern auch Wettbewerbsvorteile schafft.

Regulatorische Anforderungen und ESG-Daten bei der Kreditvergabe

Nicht nur die jüngsten Ereignisse, darunter Extremwetter, Umweltkatastrophen und Lieferkettenengpässe, haben aufgezeigt, welchen Einfluss ESG-bezogene Risiken auf die Finanzierungsfähigkeit eines Unternehmens haben können. In diesem Kontext haben sich die regulatorischen Anforderungen stark verändert, und Banken sind nun verpflichtet, ESG-Risiken in ihre Kreditvergabeprozesse einzubeziehen. Dies dient nicht nur dazu, die Umwelt- und Sozialverantwortung zu fördern, sondern auch, das Risikoprofil von Kreditnehmern umfassender und damit verlässlicher zu bewerten.

Das Dilemma der Datenverfügbarkeit und Kosten

Das Hauptproblem, dem Banken bei der Integration von ESG-Risiken begegnen, ist der Mangel an verlässlichen, individuellen Daten von Unternehmen. Beschaffung und Aufbereitung solcher Daten sind kostspielig und oft mit Unsicherheiten behaftet. In der Praxis bedeutet dies, dass viele Institute auf Branchendurchschnitte zurückgreifen, da detaillierte Informationen über einzelne Unternehmen oft fehlen oder nur mit hohem Aufwand zu beschaffen sind. Dieser Ansatz mag auf den ersten Blick praktisch erscheinen, bringt jedoch erhebliche Probleme mit sich.

Die Fallstricke von Branchendurchschnitten

Unternehmen, die entsprechende Maßnahmen implementiert haben und bereits überdurchschnittlich nachhaltig wirtschaften, werden bei dem Ansatz von Branchendurchschnitten mit schlechten in ihrer Branche in einen Topf geworfen. Auf der anderen Seite werden Unternehmen, die das Thema bisher nicht adressiert haben und entsprechend schlechter abschneiden, begünstigt. Dies führt zu einer sogenannten „adversen Selektion“, bei der Finanzinstitute Entscheidungen treffen, die im Durchschnitt risikoreicher sind als die tatsächlichen Gegebenheiten. Dies widerspricht gerade dem Grundgedanken, Risikoprofile von Kreditnehmer durch die Berücksichtigung von ESG-Risiken umfassender zu bewerten. Gleichzeitig erhöht dieser Ansatz das Risiko, dass erstklassige Kunden abwandern, die jedoch aus ESG-Sicht geringere Risiken darstellen.

Weiterhin führt dieser Ansatz zu einem strategischen Dilemma: Für die Weiterentwicklung der bestehenden Risikomodelle, Rating- und Scoringverfahren um ESG-Faktoren benötigen Finanzinstitute eine verlässliche, valide Datengrundlage. So kann mittelfristig auf die Wirkungszusammenhänge dieser neuen Informationen auf die Finanzierungsfähigkeit bzw. Ausfallwahrscheinlichkeit von Kreditnehmern geschlossen werden. Schließlich ist die Berücksichtigung von ESG-Faktoren im Rahmen des Kreditvergabeprozesses weder für den Regulator noch für die Finanzinstitute ein Selbstzweck, sondern aus Risikogesichtspunkten schlicht unerlässlich. Ohne individuelle Daten von den Kreditnehmern selbst und einer entsprechenden Historie fehlt es dauerhaft an dieser validen Datengrundlage.

Primärdatenerhebung als Lösung

Inmitten dieser Herausforderungen gibt es jedoch eine einfache Lösung: die Schaffung einer zentralen Erfassungsplattform für ESG-Daten. Durch die zentrale Erhebung der erforderlichen Primärdaten kann nicht nur die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen sichergestellt, sondern durch eine hohe Nutzerorientierung sogar die Kundenloyalität gesteigert werden. Die Datenplattform openESG stellt beispielsweise einen solchen offenen Daten-Hub dar, über den Finanzinstitute ESG-Daten zentral erheben können und Unternehmen aufwandsminimal und selbsterklärend ihre eigenen Daten kontrolliert bereitstellen können.

Vorteile für Unternehmen und Finanzinstitute

Für Finanzinstitute bietet eine zentrale Plattform erhebliche Synergieeffekte. Anstatt individuelle Datenerfassungen durchzuführen, können sie entweder auf bereits vorhandene Daten zugreifen oder Daten ihrer Kunden  nutzerorientiert und aufwandsminimal erfassen lassen. Dies spart Zeit und Ressourcen und stellt sicher, dass Finanzinstitute vergleichbare und verlässliche Informationen über verschiedene Unternehmen erhalten.

Auch für Unternehmen ergeben sich Vorteile durch die Nutzung einer zentralen Datenplattform. ESG-Daten müssen nur einmal erfasst werden und können dann zur Nutzung gezielt freigeben werden – ohne das Eigentum und die Kontrolle über die Verwendung der Daten zu verlieren. Dies reduziert den bürokratischen Aufwand und macht die Zusammenarbeit mit Finanzinstituten effizienter. Plattformen bieten zusätzliche umfassende Erklärungen zur eindeutigen Interpretation der Datenanforderungen und geben Hilfestellungen bei der Bereitstellung der Daten. Dies ist besonders für Unternehmen von Vorteil, die nicht über die Ressourcen oder das Fachwissen verfügen, um ESG-Daten in der erforderlichen Form bereitzustellen.

Fazit: Individuelle Primärdaten sind für Risikomanagement unerlässlich

In einer Welt, in der ESG-Risiken immer präsenter werden, ist die individuelle Erfassung von ESG-Daten im Rahmen der Kreditvergabe unerlässlich. Finanzinstitute sollten sich darauf vorbereiten, von dieser Veränderung zu profitieren, indem sie auf verlässliche Datenquellen setzen und gleichzeitig die Bedürfnisse ihrer Kunden im Auge behalten. Nur so können sie nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern auch langfristig erfolgreich sein.

Durch die Schaffung einer zentralen Datenplattform, auf der Unternehmen ihre ESG-Daten standardisiert und harmonisiert zur Verfügung stellen können, wird die ESG-Integration für Finanzinstitute und Unternehmen gleichermaßen effizienter und präziser. Die Zukunft des Finanzwesens liegt zweifellos in einer umfassenden Berücksichtigung von ESG-Risiken, und openESG könnte der Weg sein, um effizient und nutzerorientiert dorthin zu gelangen.