Studie: Nachhaltigkeit lohnt sich!

Nachhaltigkeit nimmt im Leben vieler Menschen einen immer höheren Stellenwert ein. Ob Konsumgüter, Energie oder Mobilität, in fast allen Lebensbereichen existieren heute ökologisch sowie fair produzierte Alternativen. Auch bei der Geldanlage wächst die Auswahl nachhaltiger Produkte stetig. Sie können im Vergleich mit herkömmlichen Angeboten bei Renditechancen und Kosten mithalten. Sie schließen beispielsweise Investitionen ins Waffengeschäft, Tabak und Kohlestrom aus. Doch ist das den Menschen überhaupt bewusst? Oder denken sie, dass Nachhaltigkeit Rendite kostet? Schließlich sind Erträge das Ziel von Finanzprodukten, um Vermögen aufzubauen und für das Alter vorzusorgen. WeltSparen, die Plattform für Geldanlage, hat über das Umfrageinstitut Civey 5.000 Personen gefragt, wie sie zu nachhaltiger Geldanlage stehen.

Nachhaltigkeit oder Rendite?

Die Deutschen sind uneinsDoch bedeutet Nachhaltigkeit bei den Finanzen automatisch weniger Rendite? Bei dieser Frage sind die Deutschen gespalten. 35,2 Prozent, immerhin mehr als jede und jeder Dritte, glauben nicht, bei nachhaltigen Geldanlagen auf Rendite verzichten zu müssen. Demgegenüber sind 28,6 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass nachhaltiges Investieren nur mit geringeren Erträgen möglich ist. Die meisten Deutschen, 36,2 Prozent, sind unentschieden. Unter den Männern hierzulande ist das Vorurteil einer geringeren Rendite bei nachhaltigen Investments mit 33,1 Prozent wesentlich stärker verbreitet als bei den Frauen mit 24,2 Prozent. Allerdings sind sich 40 Prozent der Bundesbürgerinnen unsicher. Offensichtlich besteht bei vielen Menschen noch Informationsbedarf zu nachhaltigen Anlagemöglichkeiten.

Jüngste Befragte sehen nachhaltige Geldanlagen am kritischsten

Interessant sind die Unterschiede zwischen den Generationen: In der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sind die Zweifel am größten: 37,4 Prozent der Jüngsten denken, dass nachhaltige Geldanlagen zwangsläufig mit weniger Rendite verbunden sind. Bei den 30- bis 39-jährigen ist dieser Anteil mit 24,2 Prozent am geringsten, diese Altersgruppe sieht zu 48,6 Prozent Renditechancen bei nachhaltigen Geldanlagen. Auffallend ist die Verteilung bei den höheren Jahrgängen. Bei den 40-49-Jährigen und den Befragten ab 65 Jahren gibt es kaum Unterschiede zwischen Pessimisten und Optimisten – beide Gruppen kommen auf rund 30 Prozent.

Grüne Rendite? Gespaltene Zustimmung nach Wahlverhalten

Wenig überraschend fallen die Antworten nach dem Wahlverhalten aus: Mehr als die Hälfte der Grünen-Wählerinnen und -Wähler (55,1 Prozent) ist davon überzeugt, dass sich Nachhaltigkeit und Rendite nicht ausschließen müssen. Auch der Großteil der Befragten, die die Linke (41,5 Prozent) und die SPD (36,3 Prozent) wählen, teilt diese Meinung. Bei den Deutschen, die andere Parteien bevorzugen, überwiegen dagegen die Zweifel an nachhaltigen Renditechancen: 35,7 Prozent der FDP-Wählerinnen und -Wähler glauben, dass sich Geld nur mit geringerer Rendite nachhaltig anlegen lässt. Noch höher ist dieser Anteil mit 39,7 Prozent nur bei den Deutschen, die AFD wählen. Unter den Anhängerinnen und Anhängern von CDU und CSU stehen zwar 30,3 Prozent nachhaltigen Investments skeptisch gegenüber, 28,4 Prozent sehen allerdings keine Renditeeinbußen.

Erfahrung schlägt Vorbehalte? Aktienaffine Deutsche sind kritischer

Die Beliebtheit nachhaltiger Geldanlagen lässt erwarten, dass Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich mit Kapitalanlagen auskennen, offener für solche Investitionen sind. Doch das Gegenteil ist der Fall: Unter den Deutschen mit Interesse oder Erfahrung am Aktienmarkt glaubt mit 36,3 Prozent sogar etwas mehr als ein Drittel, dass Nachhaltigkeit weniger Rendite bringt. Die Vorbehalte fallen unter investmentaffinen Personen stärker aus als im Bundesdurchschnitt. Mit 37,5 Prozent betrachtet immerhin die knappe Mehrheit der Aktienerfahrenen nachhaltige Investments aber durchaus als rentabel. Trotzdem ist selbst unter den einschlägig bewanderten Deutschen mehr als ein Viertel (26,5 Prozent) unentschieden.

Kim Felix Fomm, Chief Investment Officer, Raisin DS/WeltSparen (c) Lukas Schramm

Kim Felix Fomm, Chefanlagestratege bei WeltSparen, kommentiert „Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen einen deutlichen Informationsbedarf im Bereich nachhaltiger Geldanlagen und zu Finanzprodukten generell. Denn das Vorurteil, dass nachhaltiges Investieren weniger Rendite bringt, ist nach wie vor weit verbreitet. Und das, obwohl es viele empirische Belege gibt, dass nachhaltige Investmentprodukte wie ESG-ETFs über längere Zeiträume gleiche oder sogar höhere Renditechancen bieten. Auch die Kosten nachhaltiger Geldanlagen können wie bei herkömmlichen Finanzprodukten stark variieren. Interessierte sollten daher – wie bei allen Finanzprodukten – Kostenstruktur, Risiken und Renditechancen vor dem Abschluss genau prüfen, um die richtige Anlage zu finden.”

Nachhaltigkeit bei der Geldanlage: Mehr als nur grüne Investments

Nachhaltigkeit bei Investments ist nicht klar definiert. Es setzt sich aber ein Konzept zunehmend durch, dass unter dem Kürzel ESG (Environmental, Social und Governance) Kriterien für nachhaltige Geldanlagen zusammenfasst. Der Ansatz ist breit gefächert und nicht nur auf ökologisch verträgliche Unternehmen oder Produkte begrenzt, sondern umfasst auch soziale Standards und Kriterien der guten Unternehmensführung. Beim Auswählen von ESG-Produkten können Verbraucherinnen und Verbraucher ihre persönlichen Ansprüche und Präferenzen berücksichtigen. Nachhaltiges Investieren ist grundsätzlich eine individuelle Entscheidung, die jede Verbraucherin und jeder Verbraucher für sich selbst treffen muss. Angesichts der Vielzahl „grüner” Anlageprodukte am Markt ist es allerdings nicht leicht, den Überblick zu behalten und herauszufinden, was genau an einer Geldanlage nachhaltig ist. Mit passiv gemanagten und breit gestreuten ETFs ist nachhaltiges Investieren ohne großen Aufwand und ohne hohe Kosten möglich. ESG-ETFs umfassen in der Regel auch Unternehmen, deren Geschäftsmodell nicht ausdrücklich auf ein Nachhaltigkeitsziel ausgerichtet ist, die aber dennoch die hohen Anforderungen der ESG-Kriterien erfüllen. Diese weit gefasste Auswahl von nachhaltig arbeitenden Unternehmen in ETFs ermöglicht eine ähnlich breite Risikostreuung wie bei nicht-nachhaltigen Investments. Ein strengerer Fokus auf einzelne Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftszielen aus bestimmten Branchen ist demgegenüber mit einer geringeren Streuung und höheren Risiken verbunden.

Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft kann nur gelingen, wenn sie alle Unternehmen und verschiedene Facetten von Nachhaltigkeit einschließt – der ESG-Ansatz ist dafür eine gute Grundlage.

ETF-Check: Schneiden nachhaltige Portfolios besser ab?

Die Rendite nachhaltiger ETFs hat sich in den letzten Jahren ähnlich oder sogar etwas besser wie die herkömmlicher ETFs entwickelt. Das zeigt die historische Performance von bekannten ETFs wie dem MSCI World Index oder dem Dow Jones Global Index – sowie entsprechender nachhaltiger ETF-Ableger. Bei Letzteren handelt es sich um Varianten des jeweiligen Elternindex, bei denen Unternehmen nach den ESG-Kriterien gefiltert wurden.

Ein Beispiel: Im aktuellen Fünf-Jahres-Rückblick hat der herkömmliche MSCI World Index 16,06 Prozent Rendite erwirtschaftet, ganz ähnlich hat der breit gefasste, nachhaltige MSCI ESG World Leaders mit 16,59 Prozent Rendite pro Jahr in dieser Zeit abgeschnitten. Der auf sozial verantwortungsbewusste Investitionen beschränkte MSCI World SCI brachte im selben Zeitraum sogar 18,79 Prozent Rendite jährlich ein. Ein weiteres Beispiel: Der Dow Jones World Index legte im Zeitraum von fünf Jahren seit 2016 um 12,38 Prozent pro Jahr an Rendite zu, sein nachhaltiges Äquivalent, Dow Jones Sustainability World Index, erzielte währenddessen jährlich 13,30 Prozent Rendite.

Zur Studie: Die verwendeten Daten beruhen auf einer von WeltSparen (Raisin DS GmbH) konzipierten sowie in Auftrag gegebenen und von Civey durchgeführten Online-Umfrage an der 5.066 Befragte zwischen dem 23. bis 26. September 2021 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.