Impact Investing: Klimaaktivistisches Investieren als notwendiger Hebel

Die Ausübung von Aktionärsrechten ist ein zentraler Wirkhebel, um mit Investments Impact zu erzielen, also eine Veränderung in der realen Welt. Die Klimakrise bedroht nicht nur den Planeten, sondern bietet auch klare Argumente, mehr Nachhaltigkeit bei den Unternehmen zu fordern. Um die globale Wirtschaft klimakompatibel für die Zukunft aufzustellen, braucht es das Engagement der Investierenden mit den Unternehmen, insbesondere auch der vielen Kleinanlegenden.

Der Haupttreiber der Klimakrise sind fossile Energien – Kohle, Öl und Gas – die für fast 90 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sind. Viele der großen Energiekonzerne wissen das bereits seit den 1980er Jahren. Dennoch hat sich in den letzten 40 Jahren kaum ein Unternehmen dazu entschieden, sein Geschäftsmodell grundlegend zu verändern. Das macht diese Unternehmen angesichts des nahenden Endes der fossilen Ära zu keinem guten Investment – weder für die langfristige Rendite noch um bei ihnen Wirkung durch Engagement zu erzielen.

Deutlich mehr kann man auf der Nachfrageseite erreichen. Also in den Branchen, die derzeit fossile Brennstoffe nutzen, dies aber ändern können: Versorgungsunternehmen zur Stromerzeugung, der Verkehrssektor zum Antrieb ihrer Transportmittel und die Immobilienbranche zur Heizung und Kühlung von Gebäuden.

Eine wichtige Rolle spielen auch jene Unternehmen, die die Förderung fossiler Energie ermöglichen, etwa durch direkte Finanzierung neuer Ölprojekte oder durch Dienstleistungen, die das Geschäftsmodell von Energiekonzernen durch Greenwashing und Lobbying schützen. Klimabewusste Anlegende sollten sich hier entsprechend für einen anderen Kurs einsetzen und dies auf die Tagesordnungen der Hauptversammlungen bringen.

Druck erhöhen für Veränderungen in der Strategie und Strukturen der Unternehmen

Statt wie bislang auf inkrementelle Verbesserungen beim Fußabdruck hinzuarbeiten, stehen beim klimaaktivistischen Investieren der Handabdruck (also die Produkte und Dienstleistungen) im Mittelpunkt. Das kann auch die Strategie und Strukturen des Unternehmens betreffen.

Hauptversammlungen bieten sich als Plattform an, um Diskussionen voranzutreiben und neue Ideen zur Abstimmung zu stellen. Dafür braucht es eine starke, aktive Gemeinschaft von Investierenden, die solchen Anliegen ihr Gehör schenken und für Mehrheitsentscheidungen sorgen. Erste Schritte für klimaaktivistisches Investieren sind am Beispiel BMW zu erkennen.

Letztes Jahr gelang es auf der Hauptversammlung, deren fehlendes Tempo bei der Mobilitätswende anhand der mangelnden Diversität und Expertise im Aufsichtsrat zu thematisieren. Mittlerweile hat BMW mehrfach betont, dass die Zukunft ausschließlich elektrisch sei und zwei Frauen in den Prüfungsausschuss aufgenommen. Auch wenn die Ziele zur Erhöhung des rein elektrischen Anteils der Flotte wohl früher erreicht werden als bislang angenommen, besteht ohne weiteren Druck seitens der Investierenden, sich voll der E-Mobilität zu widmen, für BMW weiterhin das Risiko, abgehängt zu werden.

Engagement beim Handabdruck für mehr Wirkung

Auch bei Unternehmen, deren Produkte nicht wie bei BMW direkt klimaschädliche Emissionen produzieren, ist es wichtig, auf eine Veränderung bei deren Geschäftstätigkeiten hinzuwirken. Ein Beispiel ist die Publicis Groupe, deren PR- und Werbedienstleistungen eine negative Klimawirkung haben. So tragen zum Beispiel Rebranding-Kampagnen für Energiekonzerne dazu bei, deren wirklichen Fußabdruck zu verschleiern, und durch die mit Marketing erzeugte Nachfrage für klimaschädliche Produkte entstehen “advertised emissions”. Diese gilt es zu reduzieren, und zwar aus zwei Gründen: erstens, um die Fähigkeit, das Verhalten der Konsumierenden zu beeinflussen, dafür zu nutzen, dass sie klimafreundlichere Alternativen kaufen. Zweitens, damit man auch der nächsten Generation, die deutlich klimabewusster ist, einen attraktiven Arbeitsplatz bieten kann, in einer Branche, deren wichtigste Ressource junges, kreatives Talent ist.

Alle Anlegenden sind Anteilsinhabende der größten Unternehmen unserer Zeit durch ihr Geld in den Rentensystemen, Lebensversicherungen und letztlich der direkten Kapitalanlagen. Die Vielzahl der Investierenden übt ihre Eigentumsrechte derzeit noch nicht aus. Das Ergebnis ist eine zu starke Fokussierung auf kurzfristige Ergebnisse anstatt auf eine langfristige Wertentwicklung und den notwendigen Wandel. Klimaaktivistisches Investieren kann das ändern.

Autor

  • Andreas von Angerer

    Andreas von Angerer ist Head of Impact bei Inyova. Das Start-up wurde 2017 in Zürich gegründet, 2019 ging die umfassende Plattform für digitales Impact Investing an den Start.

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