EU-Taxonomie: Verbände starten Plattform für grüne Investitionen

Ein Verbändebündnis hat am Mittwoch eine alternative Informationsplattform für „grüne Investitionen“ ins Leben gerufen. Denn eine von drei Aktivitäten, die in der EU-Taxonomie als grün bezeichnet werden, seien schlecht für den Planeten. Die Organisation ChemSec plädiert für Chemikaliensicherheit als Kriterium in der EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzen.

Wohin fließen Fördermittel in der EU und was ist nachhaltig? Für diese sogenannte Taxonomie hat die Platform on Sustainable Finance Kriterien entwickelt. Letztes Jahr sind bereits zwei durchaus umstrittene (EU-News 22.09.2022) von insgesamt sechs Umweltkriterien der Taxonomie beschlossen worden und sind seit 1. Januar verpflichtend für Unternehmen. Verschiedene Organisationen waren aus Protest gegen die Einstufung noch Atomkraft und Erdgas als „nachhaltig“ aus dem Gremium ausgetreten (EU-News 15.09.2022). Am Mittwoch hat die Beobachtungsstelle gegen Greenwashing (Observatory Against Greenwashing) eine „unabhängige, wissenschaftlich fundierte Taxonomie zur Rettung der offiziellen EU-Liste für umweltfreundliche Investitionen“ gestartet. Banken, Investoren und Versicherer können auf der Website www.greenwashed.net überprüfen, ob ihre Investitionen wirklich grün und wissenschaftlich fundiert sind. In dem Bündnis haben sich Nichtregierungsorganisationen wie WWF, ECOS, BirdLife International, Transport & Environment, Chemsec, Milieudefensie, Legambiente und Ecologistas en Acción sowie Expert*innen zusammengeschlossen.

EU-Vorschlag zur Taxonomie: ChemSec sieht Vorteile für Chemikaliensicherheit

Die Plattform für nachhaltige Finanzen (Platform on Sustainable Finance) hatte vier weitere Kriterien vorgeschlagen. Diese „sollten in ihrer jetzigen Form angenommen werden, ohne Ergänzungen oder Verzerrungen“, befindet die Umweltorganisation ChemSec. Die EU-Kommission müsse die Vorschläge zum Schutz des Wassers und der Meere, zur Kreislaufwirtschaft, der Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung sowie dem Schutz der Biodiversität und der Ökosysteme nun in einen delegierten Rechtsakt fließen lassen. Unter anderem wird festgelegt, dass die Herstellung sichererer Alternativen zu schädlichen Chemikalien als „tiefgrün“ gelten sollte – im Grunde so grün wie möglich. „Dieser Vorschlag könnte ein großer Gewinn für die Chemikaliensicherheit und eine starke Waffe im Kampf gegen gefährliche Stoffe sein“, urteilte die Umweltorganisation ChemSec.

Laut ChemSec enthalten diese vier Kriterien einige Vorteile für die Chemikaliensicherheit. Der größte Vorteil sei „zweifellos die Tatsache, dass Unternehmen, die sicherere Ersatzstoffe für gefährliche Chemikalien herstellen – oder Produkte, die Produkte ersetzen, die gefährliche Chemikalien enthalten – als ‚tiefgrün‘ gelten und in ihrer Taxonomie-Berichterstattung entsprechend belohnt werden sollen“. Die vorgeschlagenen Taxonomie-Kriterien umfassten außerdem mehr Gefahrenklassen als die REACH-Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe, die sich auf CMR-Stoffe (krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend), PBT-Stoffe (persistent, bioakkumulierbar und toxisch) und Stoffe mit gleichwertigen Eigenschaften beschränkt. „Es sieht so aus, als würde die Taxonomie eine breite Palette von Schadstoffen abdecken, was in der Tat eine sehr gute Nachricht ist“, urteilte ChemSec. Zusätzlich zu diesen Klassen umfasse der Vorschlag auch EDCs (endokrinschädliche Chemikalien), PMTs (persistent, mobil und toxisch), Sensibilisatoren der Atemwege und der Haut, STOTs (spezifische Zielorgan-Toxizität) und mutmaßlich krebserregende Stoffe (CMRs).

Wenn die EU die Substitution gefährlicher Chemikalien als „tiefgrün“ („deep green“) bezeichnet, erkenne sie die Bedeutung und Dringlichkeit der Forschung und Entwicklung von sichereren Chemikalien und Produkten an. Es ist laut ChemSec von entscheidender Bedeutung, dass gefährliche Stoffe endlich ausgemustert werden. Wenn der Taxonomievorschlag so angenommen wird, könne eine „positive Kettenreaktion“ ausgelöst werden, weil mehr Geld in die Produktion von sichereren Alternativen fließe. Das sei ein Anreiz für die chemische Industrie zu Innovationen, nachgeschaltete Anwender könnten zu sichereren Materialien greifen, was die Produkte für Verbraucher und Verbraucherinnen attraktiver mache und insgesamt besser für die Umwelt sei.