Wie die SDGs durch „as-a-service”-Geschäftsmodelle gefördert werden

Damit die ökologischen Ziele des Pariser Klimaabkommens umgesetzt werden können, ist eine nachhaltige Neustrukturierung der globalen Wirtschaft und des Konsumverhaltens unabdingbar. Dass „as-a-service“-Modelle im Allgemeinen einen signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, ist offensichtlich.

Betrachtet man das Kernkonstrukt der XaaS-Geschäftsmodelle, kristallisieren sich unweigerlich Elemente der Circular- und Sharing- Economy heraus, die die Basis der Service-Geschäftsmodelle bilden. Die Circular-Economy zeichnet sich dadurch aus, dass Produkte möglichst lange erhalten bleiben, recycelt und mit anderen geteilt werden, wodurch die Auslastung des Produkts maximiert wird. Die Produkte sind folglich nicht im Besitz des Kunden, sondern für eine kurz-, mittel- oder langfristige Dauer gemietet und wandern nach Vertragsende häufig zum nächsten Kunden.

SDG Poster 2019

Mobility-as-a-Service

Im Bereich der Mikromobilität handelt es sich häufig um Minuten bis wenige Stunden, während beispielsweise Solarpanels über den Zeitraum von mehreren Jahrzehnten vermietet werden können. Vergleicht man verschiedene Sektoren miteinander, wird deutlich, wie
wandlungsfähig und vielseitig das „XaaS“- Geschäftsmodell in Bezug auf den Vertrag zwischen Kunde und Dienstleister ist.
Im Bereich der Mikromobilität (Mobility-as-aservice) kann das Unternehmen nextbike genannt werden. nextbike trägt durch die Entwicklung alternativer Mobilitätslösungen zur Vermeidung von Emissionen, die bei treibstoffbasierten Mobilitätslösungen entstehen
würden, zu SDG 13 (Überblick aller SDG siehe Grafik oben) bei. Zusätzlich können Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzungen erheblich gesenkt werden, wodurch positive Effekte auf die SDGs 3 und 11 festgestellt werden können. Die Schaffung von Arbeitsplätzen unter fairen Arbeitsbedingungen, vor allem für Jugendliche, begünstigt zudem SDG 8. Um einen Eindruck vom tatsächlichen Impact zu bekommen, den nextbike auf die Nachhaltigkeit hat, genügt ein Blick auf die Einsparungen aus dem Jahr 2021. Bei insgesamt 48 Millionen gefahrenen nextbike-Kilometern im Jahr 2021, konnten mehr als 11 Millionen Kilogramm an CO2 eingespart werden.

Solar-as-a-Service

Ein innovatives Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien ist das österreichische Unternehmen „Cleen Energy“. Cleen Energy bietet ganzheitliche Energielösungen für Privatkunden und Unternehmen. Zudem werden dem Kunden alternative Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet, wie beispielsweise das Contracting. Beim Contracting wird die PV-Anlage vom Kunden gemietet, während das Unternehmen neben Planung und Errichtung auch die Finanzierung übernimmt. Daher wird für den Kunden der Wechsel auf erneuerbare Energien von jeglicher Form des Investitionsrisikos befreit. Cleen Energywiederum finanziert sich durch einen zuvor festgelegten fixierten Strompreis.
Die Beziehung zwischen diesem „Solar-as-a-Service“-Modell und den SDGs findet sich vor allem in den SDGs 7 und 13 wieder. Durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen können Emissionen gespart werden (Maßnahmen zum Klimaschutz – SDG 13) und erneuerbare Energie über langfristig fixierte Verträge für Endkunden erschwinglich gemacht werden (bezahlbare und saubere Energie – SDG 7).

(Digital) Production-as-a-Service

Eine der aktuellen Entwicklungen im Bereich der „as-a-service-Modelle“ sind sogenannte „Production-as-a-Service“-Geschäftsmodelle. Anstatt Anlagen zur Herstellung seiner Produkte zu besitzen, bezahlt ein Hersteller eine Nutzungsgebühr, um eine hochflexible und
effiziente Fabrik mit anderen Unternehmen zu teilen. Eine aktuelle Studie der BCG hat ergeben, dass die Nachfrage nach Unternehmen mit regionaler Produktion und belastbaren Lieferketten mit geringem CO2-Abdruck kontinuierlich steigt.

Durch die Entkopplung von Fabrikbesitz und -nutzung kann eine höhere Fabrikauslastung erreicht werden. Außerdem wird die Nachhaltigkeit durch die Regionalisierung der Betriebe gefördert, da durch reduzierte Transportemissionen die Einhaltung sozialer und ethischer Standards erleichtert werden kann. „FlexFactory“, ein Joint Venture von Porsche, der Beratungstochter MHP und dem Versicherungskonzern Munich Re agiert federführend im Bereich der PaaS Modelle. „FlexFactory“ stellt keine eigenen Produktionsanlagen zur Verfügung, sondern bietet das für den Aufbau einer flexiblen Produktion benötigte Wissen und entsprechende Dienstleistungen als Servicekonzept aus einer Hand an.

In diesem Fall spricht man von „Digital-Production-as-a-Service“. Es kommt zu einer Symbiose aus digitalen und physischen „as-a-service“-Modellen. Durch das innovative Geschäftsmodell der „PaaS“-Idee wird unmittelbar SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) angesprochen. Zusätzlich werden SDG 12 durch die höhere Produktionsauslastung der Fabriken und SDG 13 aufgrund der reduzierten Emissionen begünstigt.

Nimmt man die zuvor bereits erwähnten Geschäftsmodelle von nextbike oder Cleen Energy hinzu, wird der flächendeckende Einfluss von Service-Geschäftsmodellen und der positive Effekt auf die Nachhaltigkeitsziele deutlich.

Autor

  • Dr. Stefan Bund

    Partner der SDG INVESTMENTS GmbH. Über 20 Jahre Leitungserfahrung bei Geschäftsbanken, Ratingagenturen und Dienstleistungsgesellschaften. Origination, Strukturierung, Vermarktung, Investments und Risikoanalyse von strukturierten Finanzierungen und Alternativen Investmentfonds mit Stationen in London, New York, Tokyo und Frankfurt. Doktor der Wirtschaftswissenschaften, Alumnus der Harvard Business School und Dozent an Hochschulen in Deutschland und dem Ausland.

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