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Climate-Techs sind bei VC-Investoren gefragt, aber nicht alle gleich

Climate-Techs bleiben für VC-Investoren hierzulande hochinteressant, trotz hoher Zinsen und einer schwächelnden Weltwirtschaft. Denn Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Doch nicht allen Climate-Tech-Startups gelingt es, sich rasch eine VC-Finanzierung zu sichern. VC-Investoren betrachten differenziert Risiken und Chancen-Risiko-Verhältnisse der Finanzierung suchenden Unternehmen.

Bis 2045 will Deutschland klimaneutral werden, was enorme Anstrengungen und hohe Investitionen in geeignete Technologien erfordert. Dementsprechend gut entwickeln sich die Investitionen in Climate-Techs: Laut einer aktuellen KfW-Studie kletterte das von Venture-Capital-Gesellschaften in solche Startups investierte Kapital von 53 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 1,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Noch deutlich höher waren die VC-Investitionen in Climate-Techs mit 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2021. Dieser Rückgang lässt sich aber auf die deutlich schlechteren Rahmenbedingungen aufgrund der Zinswende und die schwächere Wirtschaftsentwicklung zurückführen. Grundsätzlich bleiben „grüne“ Investments bei VC-Gesellschaften sehr beliebt, was auch wir bei TD Cowen in unserem Beratungsgeschäft beobachten.

Investoren schauen aktuell genauer hin

Allerdings ist Climate-Tech nicht gleich Climate-Tech. Denn ein Geschäftsmodell in diesem Bereich allein ist noch kein Garant für eine schnelle VC-Finanzierung. Im Zuge der schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen sind die Geldgeber seit 2022 selektiver und schauen genauer hin. Die Branche bleibt für Investoren hochinteressant, allerdings mit einem derzeit viel schärferen Blick auf Risiko und Chancen-Risiken-Verhältnisse. Geschäftsmodelle, die hier gut abschneiden, werden nach unserer Beobachtung aktuell deutlich bevorzugt. Es profitieren diejenigen Climate-Techs, die transparente und differenzierte Antworten liefern können – die gute Vorbereitung einer Finanzierungsrunde ist ein enorm wichtiges Erfolgskriterium.

Das Risikoprofil eines Climate-Techs hängt von folgenden Faktoren ab:

1. Reifegrad der Technologie:
Technologien, die bereits einen fortgeschrittenen Entwicklungsstand erreicht haben, wie zum Beispiel Solaranwendungen oder Wasserkraft, bergen geringere Risiken als Technologien, die sich noch in der frühen Entwicklung befinden und noch weiter entfernt von einer Marktreife oder sogar Serienproduktion sind. Dazu gehören etwa Technologien für grünen Wasserstoff, die nächste Generation Batterietechnologie oder Technologie für die kosten- und materialeffiziente Produktion von Chips, zum Beispiel für die Automobilindustrie.

2. Regulatorisches Umfeld:
Auch das regulatorische Umfeld beeinflusst direkt das Investitionsrisiko in Climate-Techs. Technologien, die schon heute in den politischen Strategien und Klimazielen verankert sind, sind tendenziell attraktiver für Investoren. Die EU will den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 40 Prozent anheben. Im Jahr 2021 lag er EU-weit bei 22 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs. Climate-Techs beispielsweise im Bereich Wind- und Solartechnologien, Recyclinglösungen oder „grüner“ Wasserstoff können von staatlichen Anreizen, Förderprogrammen und einer größeren Marktnachfrage profitieren. Hingegen können Technologien von Climate-Techs, die nicht in politischen Agenden verankert sind, höhere Risiken aufweisen und stehen damit vor der Herausforderung, die eigene Relevanz und Positionierung im Markt für Investoren besonders hervorzuheben.

3. Aufwand der Entwicklung:
Technologien, die bereits weit entwickelt sind und von Climate-Techs vermarktet oder skaliert werden, wie beispielsweise verbesserte und effizientere Solarpaneele oder optimierte Windkraftanlagen, sind oft risikoärmer. Bei neuen Technologien wie grünem Wasserstoff oder dem Carbon Capture müssen Investoren länger bis zur Profitabilität des Climate-Techs warten, eine größere Anzahl an Hürden nehmen und höhere finanzielle Mittel aufwenden. Denn in solch neuen Technologiefeldern muss bis zu einem marktreifen Produkt zunächst in die Grundlagenforschung und das Überwinden technischer Hürden investiert werden.

Autor

  • Daniel Kroll

    Daniel Kroll ist Partner bei TD Cowen Continental Europe. Er berät seit 2016 Unternehmen und Eigentümer bei M&A Transaktionen und Finanzierungsrunden. Zuvor war er im Bereich Restrukturierung/Turnaround Management tätig. Er hält ein Diplom in (Wirtschafts-)Physik der Universität Ulm.

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