Die wachsende Bedeutung von ESG-Kennzahlen bei Gehältern

Überhöhte Managergehälter sind ein kritisches Gesellschaftsthema

Durch die Festlegung von Obergrenzen für die Vergütung von Managern und Vorstandsvorsitzenden sowie die Gewährleistung, dass relevante ESG-Ziele in die Anreizstrukturen einbezogen werden, können wir dagegen angehen.

Aufgeblähte CEO-Gehälter, insbesondere durch komplexe Bonusstrukturen sowie Aktienoptionen, verschärfen die Vermögensungleichheit. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der schwindelerregende Bonus in Höhe von 56 Milliarden US-Dollar, den die Aktionäre kürzlich dem Tesla-Chef Elon Musk bewilligten. Unkontrollierte Vergütungspakete sind mehr als nur ein Unternehmensproblem – sie sind eine tickende Zeitbombe für die Stabilität der Wirtschaft und sogar für die Demokratie. Überhöhte Vorstandsgehälter sind zu einem Brennpunkt in der Debatte über die wachsende Vermögensungleichheit geworden. Während die Führungskräfte von Unternehmen Milliardenbeträge anhäufen, wächst die Kluft zwischen ihren Gehältern und denen von Durchschnittsarbeitern weiter an. Diese Ungleichheit ist für Triodos IM (Webseite) bei der Auswahl von und dem Engagement mit Portfolio-Unternehmen ein wichtiger Aspekt.

Das alarmierende Ausmaß der Vermögensungleichheit

So ist die Kluft zwischen der Vergütung von CEOs und den Löhnen der Mitarbeiter deutlich gewachsen. Im Jahr 1978 verdiente ein typischer CEO etwa 30-mal mehr als der durchschnittliche Arbeitnehmer. Bis 2023 hat sich diese Zahl auf das über 300-fache erhöht. Dieser Trend scheint unaufhaltsam zu sein, wobei Musks aufsehenerregendes Vergütungspaket von 56 Milliarden US-Dollar als jüngstes und exorbitantestes Beispiel dient. Im Fall von Tesla haben wir vor einigen Jahren beschlossen, nicht mehr in das Unternehmen zu investieren, weil wir schon damals festgestellt haben, dass die Manager-Gehälter zu hoch waren. Eine allzu krasse Diskrepanz zwischen den Gehältern der Vorstandsvorsitzenden und den Durchschnittsgehältern der Arbeitnehmer kann zu Spannungen innerhalb eines Unternehmens führen. Ungerechtfertigte Einkommensunterschiede wirken sich aber auch auf die gesamte Gesellschaft aus. Das wachsende Wohlstandsgefälle wird zunehmend als ernste Herausforderung für unseren sozialen Zusammenhalt sowie die Stabilität unserer demokratischen Institutionen gesehen. Ungleichheit ist daher nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem auch ein soziales und politisches Problem.

Vergütungspakete sollten einen CEO herausfordern

Der Schwerpunkt sollte daher nicht nur auf der absoluten Höhe der Vorstandsvergütung liegen, sondern auch auf der Struktur. Eine Führungskraft sollte auf der Grundlage ihrer Leistung und nach klaren, transparenten Kriterien bezahlt werden. Ein CEO muss ebenso einen Anreiz haben, das Unternehmen zu stärken sowie langfristige Ziele wie zum Beispiel nachhaltiges Wachstum, Kapitalrendite inklusive nachhaltiger Klimapolitik zu unterstützen. Diese Kriterien sollten mit einer langfristigen Perspektive in die Vergütungsstruktur integriert werden. Kurzfristige aktienbezogene Boni können CEOs dazu verleiten, übermäßige Risiken einzugehen, die dem Unternehmen schaden und letztlich den Shareholder Value zerstören könnten.

Die wachsende Bedeutung von ESG-Kennzahlen

Ein langfristiger Ansatz für die Vergütung von Führungskräften sollte daher auch stets ESG-Faktoren miteinbeziehen. Einige Unternehmen haben zwar bereits damit begonnen, diese Kennzahlen in ihre Vergütungspläne zu integrieren, doch sind diese Maßnahmen oft unzureichend und führen nicht zu tiefgreifenden Veränderungen. Triodos IM setzt sich daher für die Integration von ESG-Faktoren in die Vergütungsstrukturen für Führungskräfte ein. Wir wollen, dass sich die Führungskräfte auf eine langfristige, nachhaltige, klimagerechte Wertschöpfung konzentrieren – und nicht nur auf den nächsten Quartalsbericht.

Aufruf zum Handeln an Investoren

Nur indem wir Grenzen für die Vergütung von CEOs setzen und gleichzeitig sicherstellen, dass relevante ESG-Ziele in die Anreizstrukturen integriert werden, können wir etwas bewirken. Triodos IM verwendet einen strengen Rahmen, um die Vergütung von CEOs zu bewerten, wobei sowohl die Höhe der Vergütung als auch die Struktur des Vergütungspakets berücksichtigt werden. So werden beispielsweise Unternehmen mit überhöhten absoluten Gehältern und einem größenbereinigten Verhältnis zwischen CEO und durchschnittlichem Mitarbeitergehalt von über 100:1 für kritische Nachfragen vorgemerkt. Neben der Festlegung klarer Schwellenwerte arbeitet Triodos IM auch immer direkt mit den Unternehmen zusammen, um sicherzustellen, dass ihre Vergütungsstrukturen mit den langfristigen Zielen in Einklang stehen. Triodos IM fordert daher alle Anleger auf, einzugreifen, bevor die Folgen einer unkontrollierten Vergütungspolitik unumkehrbar werden. Es ist an der Zeit, dass die Aktionäre einen gerechteren, leistungsorientierten Ansatz für die Vergütung von Führungskräften fordern – ein Ansatz, der im Übrigen auch mit der ESG- und Impact-Politik vieler institutioneller Anleger übereinstimmt.

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